Bildkarte aus Wien: "Augustinergang"


Das Mayerling-Archiv ist im Besitz einer Bildkarte aus Wien, die u.a. den so genannten "Augustinergang" auf der Augustinerbastei zeigt..

Bildkarte aus Wien, 1894

Verlag von Römmler & Jonas
K.S. Hof-Photograph, Dresden; Bild-Nr. 2065
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Informationen zum Objekt

Die Bildkarte:
Die Bildkarte zeigt einen Teil der Wiener Hofburg - und zwar während des Anbaues der so genannten "Neuen Burg" (Baustelle rechts hinter dem Burgtor zu erkennen). Über dem Burtor ist zudem im Hintergrund der so genannte "Augustinergang" zu erkennen. Dabei handelte es sich um ein flaches Dach, über das eine Verbindung zwischen der Augustinerrampe und jenem Teil der Hofburg bestand, in dem die Appartements des Kronprinzen lagen (heute: Bundesdenkmalamt). Über diese Verbindung erreichte Mary Vetsera mehrfach ungesehen den Kronprinzen in der Burg. Das Junggesellenappartement des Kronpinzen befindet sich ungefährt im Bereich unterhalb des sichtbaren Turmes von St. Stephan, also fast in der Mitte des Bildes.

Die Wiener Hofburg ist nicht wie andere kaiserliche Residenzen ein einheitlicher Bau, der dem Wunsch und Willen eines einzelnen Monarchen entsprungen ist. Vielmehr handelt es sich um ein im Lauf mehrerer Jahrhunderte allmählich entstandenes, gewissermaßen natürlich gewachsenes Denkmal altösterreichischer und vor allem habsburgischer Geschichte. Von Ferdinand I. (1521-1564), dem ersten Habsburger, der sich in Wien richtig heimisch fühlte, bis zu Franz Joseph I. (1848-1916), der die Weichen zur Weltstadt Wien stellte, hat fast jeder Herrscher der ursprünglich kleinen Anlage einen Flügel, einen Trakt oder eine reich geschmückte Front hinzugefügt. Maria Theresia (1740-1780) bewohnte, wenn sie sich nicht in Schönbrunn aufhielt, mit ihrem Gemahl Franz I. (17451765) die gegen den Inneren Burghof gelegene Zimmerflucht des Leopoldinischen Traktes; ihr Sohn Josef II. (1765-1790) arbeitete in den unmittelbar daneben gelegenen Räumen mit Aussicht auf die Gräben und Bastionen der Stadtbefestigung und auf die Baumgruppen des in luftiger Höhe angelegten "Paradeisgartls". Heute befindet sich an dieser Stelle der Heldenplatz, der in dieser Form erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen wurde. Josefs Bruder und Nachfolger auf dem Thron, Leopold II. (1790-1792), verbrachte seine kurze Regierungszeit im Amalientrakt. Genau gegenüber, im Schweizerhof, dem ältesten, bereits 1279 urkundlich verbürgten und dann von Ferdinand I. (1521-1564) übernommenen und ausgebauten Flügel der Burg, schlug Franz II. (1792-1835), als Franz I. ab 1804 erster Kaiser von Österreich und zugleich bis 1806 letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, sein recht bürgerliches Quartier auf, während sein Sohn Ferdinand (1835-1848) wieder den Leopoldinischen Trakt bevorzugte. Sein Neffe und Nachfolger Franz Joseph I. (1848-1916), war der erste und einzige Monarch, der sich den architektonisch prunkvollsten Nordostflügel der Burg, die von Karl VI. (1711-1740) erbaute und erst Ende des 19. Jahrhunderts vollendete "Reichskanzlei" zum Wohnsitz wählte. Karl I. schließlich, der letzte österreichische Kaiser (1916-1918), amtierte im Amalientrakt. Der Innere Burghof, auch Franzensplatz genannt, ist also buchstäblich ringsum von kaiserlichen Wohnräumen umsäumt.


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